Bewertung:  / 1
SchwachSuper 
Melchisedek als Vorschattung auf Jesus Christus

Publiziert von Jesusruf
Autor: K.Ted Reischle

PDF-Download
Publizierung: 16.12.08
Letzte Revision: 16.12.08

Melchisedek-IMG 5915 (246x300)Das König- und Priestertum Jesu Christi nach der Weise Melchisedeks

Wer war Melchisedek und welche Rolle spielt er im Heilsplan Gottes als Bild auf den Messias (Christus)? Inwieweit deckt sich die Person Melchisedek mit der Person Jesus Christus, wenn es heisst, dass das König- und Priestertum Jesu Christi "nach der Weise Melchisedeks" sei bzw. Melchisedek dem Sohn Gottes gleiche?

Im AT erscheint der Priesterkönig Melchisedek nur einmal, sehr knapp in 2 Versen, in einer Begegnung mit Abram (Abraham):

Aber Melchisedek, der König von Salem, trug Brot und Wein heraus. Und er war ein Priester Gottes des Höchsten und segnete ihn und sprach: Gesegnet seist du, Abram, vom höchsten Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat; und gelobt sei Gott der Höchste, der deine Feinde in deine Hand gegeben hat. Und Abram gab ihm den Zehnten von allem. (1. Mose 14, 18-20 nach Luther 1984)

Auffällig oft nimmt nun aber das NT Bezug auf Melchisedek als Vorschattung auf den ewigen König und Hohepriester Jesus Christus. Insbesondere greift der Brief an die Hebräer dieses Bild auf:

Dieser Melchisedek aber war König von Salem, Priester Gottes des Höchsten; er ging Abraham entgegen, als der vom Sieg über die Könige zurückkam, und segnete ihn; ihm gab Abraham auch den Zehnten von allem. Erstens heißt er übersetzt: König der Gerechtigkeit; dann aber auch: König von Salem, das ist: König des Friedens. Er ist ohne Vater, ohne Mutter, ohne Stammbaum, und hat weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens. So gleicht er dem Sohn Gottes und bleibt Priester in Ewigkeit. (Hebräer 7, 1-4 nach Luther 1984)

Es ist wichtig zu betrachten, dass der Hebräerbrief an Juden geschrieben ist und somit deren Gedankengut des AT aufgreift. Nach göttlichem Ratschluss ist aber bis heute den allermeisten Juden verborgen, was Gott im AT schattenhaft auf den Messias, Jesus Christus, prophezeit hat (so neben zahlreichen Schattungen insbesondere auch Jesaja 52/53).

Gerade wegen der Tatsache, dass Gott sich in der Bibel fortschreitend offenbart hat, haben wir gegenüber den Juden (denen von Gott bis auf weiteres ein Schleier auferlegt ist), den Vorteil, die gesamte göttliche Offenbarung, das vollständige den Menschen offenbarte Wort Gottes zu haben. Die (allermeisten) Juden haben nur das AT als Wort Gottes. Ihnen fehlt somit die letztendliche Offenbarung durch die Erklärung der Apostel im NT.

Besonders für uns Nichtjuden (Heiden), die wir nicht in jüdischen Traditionen und Gedanken verwurzelt sind, ist es einfacher, alttestamentliche Beschreibungen "von hinten aufzurollen", daher im folgenden zunächst die Erläuterung aus der MacArthur Studienbibel (Schlachter 2000) zu Hebräer 7, 1-4

Textauszug McArthur Studienbibel Schlachter 2000: Heb7.1-4

Also gehen wir im folgenden zunächst über die Hinweise in Psalm 110,4

Der HERR hat geschworen, und es wird ihn nicht gereuen: «Du bist ein Priester ewiglich nach der Weise Melchisedeks.» (Psalm 110,4 nach Luther 1984)

Textauszug McArthur Studienbibel Schlachter 2000: Ps110.4 A

Textauszug McArthur Studienbibel Schlachter 2000: Ps110.4 B

weiter zu der zugrundeliegenden Erwähnung in 1. Mose 14,18:

Textauszug McArthur Studienbibel Schlachter 2000: 1.Mo14.18

Die farblichen Markierungen der zentralen Stellen im Text der Erläuterungen in der MacArthur Studienbibelwurden vom Autor eingefügt.

Zusammenfassend, besonders aus den farblich markierten Stellen, lässt sich herleiten, dass Melchisedek lediglich in folgender Hinsicht als Bild auf Christus dient:

  • Herkunft und Lebenszeit nicht bestimmt (Stammbaum, Geburt und Tod nicht bekannt)
    Wichtig: "nicht bekannt" den Hebräern (!), an die der Brief gerichtet ist, denn in deren Gedankengut findet sich folgendes:
    Doch wir wissen, woher dieser ist; wenn aber der Christus kommen wird, so wird niemand wissen, woher er ist. (Johannes 7, 27)

  • gleichzeitig König und Hohepriester

  • König der Gerechtigkeit und des Friedens

Wie bei vielen Gleichnissen Jesu im NT wäre es falsch, eine hundertprozentige Übereinstimmung eines Gleichnisses für den beschriebenen Sachverhalt zu konstruieren. In Gleichnissen soll immer lediglich der Kerngedanke eines Sachverhaltes dargestellt werden, nicht mehr und nicht weniger. So ist es auch hier nicht richtig, das Bild Melchisedeks auf weitere, allein für Jesus Christus zutreffende Kriterien auszudehnen wie etwa

  • keine leiblichen Eltern (vom Geist gezeugt/Jungfrauengeburt=kein leiblicher Vater; aus Gott geboren=keine leibliche Mutter)

  • real ewiges Leben (ohne Anfang und ohne Ende)

  • real ewige Herrschaft/Priestertum

Das Bild von "ohne Anfang und ohne Ende" bedeutet hier lediglich, dass weder Anfang noch Ende erkennbar (überliefert, festgehalten) sind. Es ist eben nur ein Bild, wie ja die Redewendung "nach der Weise" ausdrückt. Genau dasselbe gilt für die Herkunft: nicht dass Melchisedek keine menschliche Herkunft gehabt hätte – diese ist einfach nur verborgen, nicht bekannt.


Quellen:
MacArthur Studienbibel (Schlachter 2000), Verlag Christliche Literaturverbreitung, CLV

Kommentar hinzufügen

Dein Name:
Betreff:
Kommentar: